Grüne Innovationen

von annika reischl / ökologische gestaltung für unternehmen

Viele moderne Produkte sind oft von Haus aus im Vergleich mit ihren Vorgängermodellen ökologischer. Meist sind sie energieeffizienter oder mit einem geringeren Materialaufwand hergestellt. Beides ergibt sich üblicherweise schon aus Kostengründen. Aber sind sie deswegen schon "grüne Innovationen"? Was als "grüne Innovation" gilt, wird manchmal unterschiedlich aufgefasst. Doch unabhängig davon, welchen Begriff man wählt und wie man grüne Innovationen im Detail interpretiert, besitzt diese Form der Innovation unter den richtigen Bedingungen eine hohe Bedeutung für die Erreichung ökologischer Ziele.

Grüne Innovationen - Was sie sind und was sie "grün" macht

Grüne Innovationen

Ob „Grüne Innovation“, „Öko-Innovation“, „Umweltinnovation“ oder auch Nachhaltig­keits­innova­tion“, letztendlich erschaffen alle etwas Neues, das einen ökologischen Nutzen bringt und die Umwelt entlastet. Ein standardisierter Begriff lässt sich bisher nicht finden und was tatsächlich als grüne Innovation gilt, wird manchmal unterschiedlich aufgefasst. Doch unabhängig davon, welchen Begriff man wählt und wie man grüne Innovationen im Detail interpretiert, besitzt diese Form der Innovation unter den richtigen Bedingungen eine hohe Bedeutung für die Erreichung ökologischer Ziele. Auch Unternehmen können durch das Hervorbringen grüner Innovationen signifikante Potenziale ausschöpfen und ihre Stellung im Markt positiv beeinflussen.

Warum es sich lohnt, als Unternehmen grüne Innovationen hervorzubringen

Sich mit grünen Innovationen zu befassen, kann für ein Unternehmen auf unterschiedlichen Ebenen von Vorteil sein. Die ressourceneffiziente und umweltfreundliche Herstellung von Produkten kann deutliche Kostenvorteile mit sich bringen sowie das Beschaffungsrisiko von endlichen und kritischen Rohstoffen reduzieren, was sich positiv auf die Wettbewerbsfähigkeit auswirkt. Darüber hinaus kann man durch grüne Innovationen neue Märkte und Kunden erreichen. Das grüne Image, das man erhält, ist besonders wichtig, um bei einem steigenden ökologischen Bewusstsein der Käufer die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen und sich Marktanteile zu sichern. Nicht zuletzt gibt es auf EU-Ebene, Bundesebene und in den Bundesländern vielfältige Förder-, Beratungs- und Unterstützungsangebote für Start-ups oder Unternehmen mit grünen Innovationsideen. Zum Beispiel gibt es in Baden-Württemberg das Green Innovation and Investment Forum (GIIF) von Umwelttechnik BW und bwcon, das sich europaweit an Start-ups mit grünen Innovationsideen richtet. Aber was sind grüne Innovationen?

Die ressourceneffiziente und umweltfreundliche Herstellung von Produkten bringt deutliche Kostenvorteile mit sich und reduziert das Beschaffungsrisiko von endlichen und kritischen Rohstoffen.

Welche Kriterien eine Innovation ausmachen

Werfen wir vorab einen kurzen Blick darauf, ab wann eine Neuerung überhaupt als Innovation gilt. Wie der Begriff schon sagt, muss es sich um eine Veränderung oder Problemlösung handeln, die „neu“ ist oder zumindest eine signifikante Verbesserung darstellt. „Neu“ muss sich hierbei nicht zwingend auf einen ganzen Markt oder die ganze Welt beziehen. Bringt ein Unternehmen eine Neuerung hervor, die von anderen Unternehmen bereits eingeführt wurde oder genutzt wird, kann dies dennoch eine subjektive Innovation für dieses Unternehmen darstellen. Entscheidend ist, dass die Neuerung mit wirtschaftlichem Erfolg umgesetzt wird – erst dann kann man von einer Innovation sprechen. Das heißt, dass die Markteinführung der Problemlösung mit Erfolg stattgefunden haben muss oder die Problemlösung im Unternehmen tatsächlich zur Anwendung kommen muss.

Entscheidend ist, dass die Neuerung mit wirtschaftlichem Erfolg umgesetzt wird – erst dann kann man von einer Innovation sprechen.

Was eine Innovation zu einer "grünen" Innovation macht

Wie bereits angedeutet, gibt es hierbei nicht die eine Definition, an der man sich orientieren kann und es tauchen teilweise unterschiedliche Meinungen auf. Es ist also ein bisschen Definitions- oder Ansichtssache, was letztendlich als grüne Innovation gilt. Aber in der Praxis interessiert uns ja meist auch nicht diese eine Definition, sondern was tatsächlich dahinter steckt. Hierfür lässt sich ein charakteristisches Merkmal, das auf jeden Fall berücksichtigt werden sollte, festhalten: Die grüne Innovation muss eine Entlastung der Umwelt herbeiführen. Sie muss also im Vergleich zu Alternativen – und betrachtet über den gesamten Lebenszyklus hinweg – einen ökologischen Vorteil haben. Wie das untersucht werden kann und auf was dabei geachtet werden muss, greifen wir gleich nochmal auf. Zuerst schauen wir uns genauer an, welche unterschiedlichen Arten von grünen Innovationen es geben kann. Meist denkt man wahrscheinlich zuerst an innovative ökologische Produkte. Aber auch Neuerungen im Bereich von technischen Prozessen, also zum Beispiel ökologisch optimierte Produktionsabläufe oder nicht-technische innovative Organisations- oder Strukturmaßnahmen, wie beispielsweise die Einführung eines Umweltmanagementsystems, die Integration einer Ökobilanzierung oder die Durchführung einer Materialflusskostenrechnung im Unternehmen können ökologische Vorteile mit sich bringen und so als grüne Innovationen gelten. Bleiben wir aber in diesem Artikel bei grünen Produktinnovationen…

Was Sie bei grünen Innovationen beachten sollten

Um herauszufinden, ob durch eine neue Problemlösung tatsächlich ein ökologischer Nutzen entsteht – welcher Voraussetzung dafür ist, dass man von einer grünen Innovation sprechen kann – gilt es ein paar Dinge zu beachten:

"Vergleichen Sie Alternativen"

Vergleichen Sie die potenzielle Innovation mit bisherigen Alternativen. Eine Entlastung der Umwelt entsteht dann, wenn etwas im Vergleich zum Bisherigen ökologisch vorteilhafter ist. Daher sollte die potenzielle Innovation mit bisherigen Alternativen und deren ökologischen Leistungen verglichen werden. Aber was soll man tun, wenn die Innovation so radikal oder neu ist, dass es kein direktes Vergleichsobjekt gibt? Dann sollte man sich den Nutzen anschauen, den das Produkt mit sich bringt und vergleichen, wie dieser zuvor erfüllt wurde oder welche Vorteile durch die neue Art der Erfüllung entstehen.

"Der ganze Lebenszyklus zählt"

Betrachten Sie den gesamten Lebenszyklus. Beim Vergleich ist es wichtig, dass man einen Gesamtblick auf die Vergleichsobjekte wirft und nicht nur einzelne Aspekte betrachtet. Hierzu ist es erforderlich, den gesamten (ökologischen) Lebenszyklus der Produkte zu betrachten. Das bedeutet nicht nur die Phasen zu betrachten, auf die Sie direkten Einfluss haben, sondern auch Phasen und Prozesse anzuschauen, auf die Sie mit Ihrem innovativen Produkt indirekt einwirken.

Der typische ökologische Lebenszyklus besteht generell aus den Phasen: Rohstoffgewinnung und Beschaffung von Vorprodukten, Produktion, Nutzung und End-of-Life. Die letzte Phase umfasst zum Beispiel Prozesse für das Recycling und die Entsorgung. Zusätzlich sollten auch der Verpackungsbedarf und alle Transporte, die in und zwischen den Phasen stattfinden, betrachtet werden. Schauen Sie sich an, in welchen Lebenszyklusphasen der innovative ökologische Aspekt auftritt und wirkt. Betrachten Sie dann, was dieser ökologische Vorteil in anderen Lebenszyklusphasen auslöst.

Zum Beispiel kann der Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen zu ökologischen Vorteilen in der Phase der Rohstoffgewinnung führen, aber auf der anderen Seite manchmal die Kreislauffähigkeit herabsetzen und so einen ökologischen Nachteil in der End-of-Life Phase darstellen. Grüne Innovationen berücksichtigen den gesamten Lebenszyklus. Es kann also passieren, dass Ihre Innovation ihren ökologischen Nutzen an anderer Stelle der Wertschöpfung und außerhalb Ihres Einflussbereiches entfaltet. Das ist aus unternehmerischer Sicht unschön.

Oft lässt sich das jedoch über Kooperationen oder geschickte Geschäftsmodelle zu Ihrem Vorteil heilen. Um einen umfangreichen Blick auf die Umweltwirkungen einer Innovation zu bekommen, kann es auch hilfreich sein, zu überlegen, welche Ökodesignprinzipien die Innovation erfüllt und welche vernachlässigt werden. So wird man aufmerksam auf Zielkonflikte und Abwägungspunkte und erhält weitere Ansatzpunkte zur ökologischen Verbesserung des Produkts, an die man zuvor eventuell noch nicht gedacht hat.

"Das Kaufpotenzial ist wichtig"

Achten Sie auf das Kaufpotenzial der Innovation. Natürlich spielt es auch eine Rolle, ob die Neuerung tatsächlich genutzt wird. Hat man aus ökologischer Perspektive ein tolles Produkt, das aber beispielsweise aufgrund einer für den Anwender umständlichen oder unpraktischen Nutzungsweise keine oder nur wenige Käufer findet, kann der ökologisch vorteilhafte Effekt des innovativen Produktes nicht eintreten.

Es gibt noch einige weitere Aspekte, die man beachten sollte, um eine echte grüne Innovation zu erschaffen. Beispielsweise sollte die Innovation ein bisheriges Produkt ersetzen und nicht zusätzlich genutzt werden, da sonst keine Entlastung der Umwelt stattfinden kann. Auch der sogenannte Rebound-Effekt sollte beachtet werden. Dieser beschreibt eine Situation, in der eine Innovation, die zu Kostenvorteilen oder Einsparungen beim Nutzer führt, diesen dazu veranlasst die Innovation intensiver zu nutzen. Dies kann dazu führen, dass der ursprüngliche positive ökologische Effekt kompensiert oder sogar überkompensiert wird. Beispiel hierfür wären spritsparende Fahrzeuge, auf die man häufiger zurückgreift als auf die bisherigen, da man einen Kostenvorteil hat.

An dieser Stelle sind aber die zuvor ausführlicher aufgelisteten Punkte erst mal am wichtigsten und auf diese können Sie im Rahmen Ihrer Möglichkeiten vermutlich auch am leichtesten Einfluss nehmen. Natürlich ist es schwer, immer alle diese Punkte zu berücksichtigen und zu bedenken – nicht zuletzt auch, weil man oft noch gar nicht weiß, wie sich die Innovation später tatsächlich verhält und auswirkt. Aber dennoch denke ich, dass man – wenn man bereits früh diese Aspekte im Hinterkopf behält – den Innovationsprozess ökologisch positiv beeinflussen kann.

Fazit

Grüne Innovationen können also einen signifikanten ökologischen Nutzen bringen und auch im Unternehmen vorteilhaft eingesetzt werden, um den Erfolg zu sichern. Auch wenn es gar nicht so einfach scheint eine „echte“ grüne Innovation hervorzubringen, lohnt es sich doch die Herausforderung anzunehmen… je früher desto besser. Sie wissen nicht wo und wie Sie starten sollen? Dann gehen Sie doch mal auf die Suche nach Verbesserungspotenzial bei Ihren bisherigen Produkten. Nutzen Sie Ökodesignprinzipien, um ein Gefühl dafür zu entwickeln, was ökologische Produkte auszeichnet. Aber wagen Sie auch einen Blick über den Tellerrand hinaus und entdecken Sie ganz neue Möglichkeiten auf ökologische Weise einen Kundennutzen zu erschaffen. Viel Erfolg dabei!

Quellen

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Vahs, Dietmar; Brem, Alexander (2015): Innovationsmanagement. Von der Idee zur erfolgreichen Vermarktung. 5., überarbeitete Auflage. Stuttgart: Schäffer-Poeschel Verlag.

OECD; Eurostat (2005): Oslo manual. Guidelines for collecting and interpreting innovation data. 3. ed. Paris: OECD. OECD (2009): Sustainable Manufacturing and Eco-Innovation. Framework, Practices and Measurement. Synthesis Report.

Kemp, René; Pearson, Peter (2007): Final report MEI project about measuring eco-innovation. Deliverable 15.

Fichter, Klaus; Noack, Torsten; Beucker, Severin; Bierter, Willy; Springer, Stefanie (2006): Nachhaltigkeitskonzepte für Innovationsprozesse. Stuttgart: Fraunhofer-IRB-Verlag (nova-net Werkstattreihe).

Über die Autorin

Annika Reischl

Annika Reischl hat vor Kurzem ihr Bachelorstudium im Fach Ressourceneffizienzmanagement an der Hochschule in Pforzheim abgeschlossen. Ihre Bachelorarbeit hat sie zum Thema ökologische Bewertung grüner Innovationsideen von Unternehmensgründern bei Umwelttechnik BW geschrieben.

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