Mein schlimmstes Werbegeschenk

von susanne volz / business-tipps für designer

Dieser Artikel ist eine lange Anekdote mit kurzem Fazit. Dieses Fazit könnte lauten: „Ich denk, bevor ich schenk.“ Oder auch: „Geschenk mit Sinn. Immer ein Gewinn.“ Alternativ: „Ist dein Geschenk nicht grün, dann spar dir dein Bemühn.“ Ein paar hab ich noch, aber bevor meine Reime die Grenze des guten Geschmacks überschreiten, lade ich dich ein, den Artikel über mein schlimmstes Werbegeschenk zu lesen. Vielleicht inspiriert es dich. Ansonsten wünsche ich einfach viel Spaß beim Lesen.

Auch ökologische Vereine tun es.

Sie verschenken schrecklich nutzloses Zeug. Nicht alle natürlich, und nicht immer. Aber manchmal eben. Vor vielen Jahren bin ich einem Verein beigetreten, der aus meiner Sicht sehr wichtige Arbeit für eine ökologische und zukunftsfähige Gesellschaft leistet. Ich weiß nicht mehr, ob es zu Weihnachten oder irgendeinem sonstigen wichtigen Ereignis war. Aber ich bekam ein Werbegeschenk von diesem Verein. Ich saß geschlagene fünf Minuten fassungslos davor. Und dann habe ich einen Brief geschrieben.

Was das Geschenk war? Ungefähr das nutzloseste Werbegeschenk, das ich in meinem ganzen Leben bekommen hatte. Ich meine, Stifte oder Notizzettel oder Tassen mit Apothekenaufdruck braucht zwar auch kein Mensch, aber man sie zumindest benutzen. Selbst wenn ich schon 20 Stifte habe, kann ich trotzdem auch mit dem 21sten was aufschreiben.

Im Ernst jetzt!?

Aber was bitte soll ich mit einer 2,5 cm langen Wasserwaage als Schlüsselanhänger? Hatte ich in meinem Leben schon jemals dagestanden und gedacht: Hey, wenn ich doch jetzt nur eine Mini-Wasserwaage zur Hand hätte! Ich überlegte wirklich, aber konnte mich beim besten Willen nicht an so einen Moment erinnern.

Üblicherweise bin ich kein Nörgler. Ich nehme es, wie es kommt und mache das Beste draus. Aber manchmal muss es einfach raus. Ich schrieb also einen Brief und schilderte mein Dilemma.

Nämlich, dass ich absolut keine Verwendung für das freundlich gemeinte Werbegeschenk hätte und es hiermit zurückschicke, damit es an eine bedürftige Person weitergegeben werden könne. Wir wollen ja keine Ressourcen verschwenden und bei mir läge es nur unbenutzt in der Schublade. Als ökologischer Verein (der sich ökologische Produkte und Abfallvermeidung ausdrücklich auf die Fahne geschrieben hat!) hätten sie sich bestimmt viele Gedanken über die Auswahl und sinnvolle Verwendung ihres Werbegeschenkes gemacht und wüssten, dass und wo ein großer Bedarf an 2,5 cm Wasserwaagen bestünde. Ich würde mein Geschenk also als Spende dem Verein zurückgeben und es ihnen überlassen, das Produkt einer sinnvollen Verwendung zuzuführen.

Braucht man ständig!

Ein paar Tage später habe ich dort angerufen. Ich habe es nicht länger ausgehalten und musste einfach rausfinden, was die sich bei der Auswahl von so einem Werbegeschenk gedacht haben. Kurz darauf hatte ich die Urheberin der Werbegeschenkauswahl am Telefon. Es war eine Dame, die seit langer Zeit für diesen Verein arbeitete. Sie erklärte mir ziemlich angesäuert (ich hatte wohl einen wunden Punkt getroffen), dass man sich sehr wohl ausführlich Gedanken über die Auswahl des Werbegeschenkes gemacht habe und man ja wohl im Alltag ständig so eine kleine Wasserwaage benötigen würde.

„Ja,“ sagte sie auf meine Nachfrage, so ständig, dass es sich lohne, sie am Schlüsselanhänger mit sich zu führen. Ich habe mich wirklich bemüht und ernsthaft nachgedacht, ob und wofür ich die sinnvoll einsetzen könnte. Mit einer 2,5 cm langen Wasserwage könnte ich vielleicht dafür sorgen, dass beim nächsten Geburtstagskuchen die Kerzen ordentlich im Lot sind. Bei Präsentationen schraube ich manchmal lange an den Beamer-Beinchen herum, bis die endlich gleich hoch sind. Dafür könnte ich sie auch einsetzen. Und wenn ich das nächste Mal eine witzige Postkarte an die Pinnwand hänge, dann würde die garantiert absolut im Wasser hängen!

So richtig haben meine Überlegungen mich aber nicht überzeugen können, dass ich so einen Schlüsselanhänger im Alltag wirklich brauchen würde. Also fragte ich die Dame vom Verein um Rat. Vielleicht war ich ein wenig penetrant, als ich nach konkreten Anwendungsoptionen fragte. Aber nur ein ganz klein wenig!

Sie versicherte mir zunehmend sauer, dass man so was im Alltag dauernd bräuchte – sie zumindest – aber Beispiele hatte sie leider auch keine für mich. Wir einigten uns, dass sie die Wasserwaage behalten könne – vielleicht bräuchte sie ja mal zusätzlich zu ihrer jetzigen eine weitere. Man kann ja nie wissen. Das alles ist vor ungefähr sechs Jahren passiert. Ich bin noch immer Mitglied in diesem Verein, aber ich habe nie wieder ein Werbegeschenk erhalten. Ich frage mich, weshalb.

Warum erzähle ich dir das alles? Um dir die Macht von Werbegeschenken zu verdeutlichen.

Es gibt solche, an die erinnert man sich nicht besonders. Solche Geschenke sind meistens Massenware, mehr oder weniger sinnvoll und schnell in Vergessenheit geraten.

Dann gibt es solche, die tragen nachhaltig zum Unternehmensimage bei. Im Schlechten, weil sie so unpassend und nicht im Sinne des Unternehmensimages sind, dass ich auch nach sechs Jahren noch davon erzähle. Und ich möchte wetten, ich war nicht die einzige die sich fragte, ob die vom Verein sie noch alle hatten.

Oder im Guten, weil sie so besonders sind, dass man sie sich merkt und gerne davon erzählt. Die zum Unternehmensimage passen und den Gedanken der nachhaltigen Ausrichtung des Unternehmens wirklich transportieren. Werbegeschenke sind schön, wenn sie gut gemacht sind. Je persönlicher und besonderer sie sind, desto besser. Aber eben nicht, je ressourcenaufwändiger.

Wenn du also jetzt zu Weihnachten Werbegeschenke für deine eigenen Kunden auswählst oder deinen Kunden Vorschläge für Werbegeschenke für deren Kunden machst, dann bedenke das. Sinnvolle Geschenke findest du zum Beispiel bei gruene-werbung.eu oder oxfam unverpackt. Darüber hinaus sind deiner Phantasie natürlich keine Grenzen gesetzt.

Viel Spaß beim Auswählen.

Susanne

Über die Autorin

Sarah Pollinger

Susanne Volz ist die Gründerin und Inhaberin von ecocircleconcept. Sie ist Umwelt­wissen­schaftlerin und Wirtschaftsjuristin und auf der Mission, ökologische Produkte zu einer Selbstverständlichkeit zu machen.

Als Schnittstelle zwischen Gestaltern, Unternehmen und der Umwelt arbeitet sie unermüd­lich daran, unternehmerischen Erfolg, verantwortungsvolles Wirtschaften und nachhaltigen Konsum zusammenzuführen.

Zurück