8 Regeln für ökologische Gestalter

von susanne volz / business-tipps für designer

Es gibt bestimmt leichtere Wege für beruflichen Erfolg, als mit der Spezialisierung „ökologischer Gestalter“. Aber was will man machen, wenn der Beruf Berufung ist... Für alle, die nicht anders können oder wollen, gibt es gute Nachrichten: nicht (nur) die Branche oder der Markt bestimmt, ob du erfolgreich bist. Es hängt schon auch an dir, an dem was du tust und daran, wie du der Welt begegnest. In diesem Artikel findest du (hoffentlich) ein wenig Inspiration und Rückhalt, wenn du gerade mal wieder alles hinschmeißen willst.

Führe, folge oder geh aus dem Weg.

Hast du schon mal mit Leuten zusammen gearbeitet, die genau so drauf sind? Das rockt!

Viele Menschen nehmen gerne für sich in Anspruch, mit ihrer beruflichen Bestimmung wahlweise an der Gestaltung der Gesellschaft, deren Zukunft oder an beidem beteiligt zu sein. Und wenn das dann nicht so recht klappt, ist auch schnell jemand oder etwas gefunden, der oder das daran schuld ist. Die hätten dann die Welt verändert, wenn nicht dies oder jenes dazwischen gekommen oder die Umstände anders gewesen wären. Es ist kräftezehrend, in einem solchen Team etwas auf die Beine stellen zu wollen. Wer selbst für seine Ziele brennt, brennt in solchen Teams schnell aus

Wenn ich mit Gestaltern spreche – und dazu gehören Produkt- und Industriedesigner genauso wie Graphik- und Kommunikationsdesigner – dann höre ich oft:

„Ja, ökologische Gestaltung, das finde ich schon wichtig. Nachhaltigkeit gehört ja auch zu meinem Geschäftskonzept. Aber die Kunden wollen das nicht, die Fragen das nicht nach. Wir Designer werden in die wirklichen Gestaltungsprozesse nicht einbezogen, am Ende ist man doch nur für die Optik zuständig.“

Mal ganz ehrlich: warum sollte jemand in einer Zukunftsbranche mit einem Designer zusammenarbeiten, der einen Teil seiner angeblichen Kernkompetenz mit einer so lauwarmen Überzeugung vertritt? Verstehe mich nicht falsch. Ich kenne diese Problematik durchaus. Und es ist ja auch viel Wahres dran. Mir geht es eher um die Haltung, die dahinter steht.

Deine Kunden wollen keine Nachhaltigkeit? Fein! Dann such dir andere Kunden! Oder anders ausgedrückt: „Führe, folge oder geh aus dem Weg!“

Warum sollte jemand in einer Zukunftsbranche mit einem Designer zusammenarbeiten, der einen Teil seiner angeblichen Kernkompetenz mit einer so lauwarmen Überzeugung vertritt?

Was kannst du noch tun, um als ökologischer Gestalter erfolgreich zu werden? Im Prinzip genau das gleiche, das dir dabei hilft, auch in allem anderen erfolgreich zu sein, dass dir am Herzen liegt.

#1 Du definierst, wann du erfolgreich bist

Wann bist du ein erfolgreicher ökologischer Gestalter? Wenn du deinen gesamten Umsatz durch Aufträge für nachhaltige Produktgestaltung generierst? Wenn dein dadurch generierter Umsatz sechsstellig ist? Du in ökologischer Gestaltung so kompetent bist, dass du das zu deiner Kernkompetenz zählst?

Oder wenn du dich dafür entschieden hast, dass du ökologischer Gestalter sein möchtest und ab heute Schritt für Schritt alles für dieses Ziel tust? Du entscheidest, wer du bist und was du sein willst. Nicht deine Kunden. Nicht der Markt. Nicht die Nachfrage. Nur alleine du!

Also, was ist jetzt? Bist du ein ökologischer Gestalter, oder nicht?

#2 Willst du etwas? Dann finde Wege!

Das Leben ist kein Ponyhof. Das ist so. Deswegen fokusiere dich auf die Lebensbereiche, über die du Kontrolle hast und dann fange an, diese Bereiche so zu gestalten, wie du sie haben willst.

Du weißt nicht genügend, über ökologische Gestaltung? Dann lerne es! Deine Kunden wollen Nachhaltigkeit nicht? Dann such dir andere Kunden!

Du bräuchtest 20 neue Kunden? Fange damit an, einen zu finden!

Packe die Dinge an und setze deine Ideen um. Suche nicht nach Gründen, warum das doch eh alles nicht klappt. Sondern finde Wege, wie du deine Ziele verwirklichen kannst.

#3 Halte dich fern von der mimimimi-Zone!

Nicht alles, was schwierig ist, ist deswegen auch gut oder richtig. Anstrengung ist also kein Garant dafür, dass du gerade das Richtige tust und damit weitermachen solltest. Aber die meisten Dinge, die sich durchzuziehen lohnen, liegen halt auch nicht in der Komfortzone. True Story!

Erfolg haben in der Regel die Menschen, die dort weitermachen, wo die meisten anderen aufhören. Warum hören die meisten dort auf? Weil sie sonst die Grenze der mimimimi-Zone überschreiten müssten. Es gibt wichtige innere und äußere Gründe, einen Weg nicht zu gehen oder nicht gehen zu können. Ohne Frage. Diese Gründe sind meistens schwerwiegend, oft sehr unschön und manchmal nicht zu umgehen. Solche Gründe möchte ich nicht kleinreden. Echte Gründe zählen immer.

In den meisten Fällen geht es um mimimi…

Aber in den allermeisten Fällen, wenn es nicht gerade die schwerwiegenden Gründe sind, geht es um mimimi…

Halte dich also fern von der mimimi-Zone. Du hast keine Zeit? Du schaffst dir welche, indem du dich die nächsten 6 Monate lang um vier Uhr morgens aus dem Bett schälst.

Du hast keine Ahnung, wie du Kunden gewinnen sollst? Das Internet ist voll mit super hilfreichen Tipps großartiger und integrer Experten, die ihr Wissen kostenfrei rausgeben (das nennt sich Content-Marketing).

Ökologische Gestaltung ist zu schwer oder du brauchst zu lange, um es zu lernen? Nein und nein. Klar ist es eine Kompetenz, die du dir aneignen musst. Das hast du mit anderen Dingen aber auch schon geschafft. Und da du den ersten Schritt gehst, dann den zweiten und später den dritten, bist du sehr bald sehr viel weiter als die meisten anderen Gestalter – und hast damit auf dem Markt schon schnell die Nase vorn.

Keiner verlangt, dass du morgen dein Business fertig umgebaut haben musst. Also verlange du es doch auch nicht von dir selbst. Erfolg kommt nicht über Nacht und auch nicht auf dem Silbertablett. Menschen, die sich von der mimimi-Zone fernhalten, haben damit meist auch kein Problem!

#4 Umgib dich mit Leuten die dich beflügeln

Natürlich stehen wir treu zu Freunden und Familie, wenn sie eine schwere Zeit haben. Wir helfen, auf den Exfreund zu schimpfen und heulen bei einer Flasche Rotwein über den Liebeskummer bedingungslos mit. Wir bestätigen, dass die Kollegin eine blöde Ziege und der Chef ein Idiot sind und helfen, genauso fiese wie fiktive Rachepläne zu schmieden. Wir helfen unseren Lieben durch Trauer, durch Angst und durch Sorge – solange, wie es nötig ist. Das ist klar! Und wir sorgen für die, die unsere Fürsorge nötig haben. Aber abgesehen davon gilt: meide Dauerjammerer, Permanentnörgler, Berufsbesorgte und Emotionsvampire.

Ökologische Gestaltung ist Neuland. Diese Branche hat enormes Potenzial, ist aber noch lange kein Selbstläufer. Und du wirst oft genug mit frustrierenden Tatsachen und zu langsamen Entwicklungen konfrontiert – unabhängig davon, ob du selbst gerade erfolgreich bist oder nicht. Und du kannst echt niemanden gebrauchen, der dich permanent über die Naivität deiner Pläne, die Schlechtigkeit der Menschen, die Ungerechtigkeit der Welt oder die allgemeine Sinnlosigkeit jeglichen Handelns volllabert. Dann wäre dein Scheitern kaum zu vermeiden. Und deine Unzufriedenheit ebensowenig.

Im Übrigen ist es dabei egal, ob du mit ökologischer Produktgestaltung erfolgreich sein möchtest oder mit einer eigenen Schneckenzucht! Jedem deiner Pläne wird von solchen Leuten die Energie entzogen!

Halte dich fern von Dauerjammerern, Permanentnörglern und Berufsbesorgten.

Umgib dich mit positiven und zufriedenen Menschen, die dich lieben, inspirieren, unterstützen, motivieren, ermutigen und konstruktiv kritisieren. Und sei du natürlich auch ein solcher Mensch für andere! Warum? Weil wir auf Dauer so werden wie die Menschen, die uns die meiste Zeit umgeben. Oder weil wir bei dem Versuch ausbrennen, anders zu sein.

#5 Verabschiede dich von Märchen

Verabschiede dich von den Märchen über Genialität, Erfolg über Nacht oder den dreißig neuen Kunden in dreißig Tagen. Erfolg kommt zwar in Schüben, ist aber auf Regelmäßigkeit gebaut. Die meisten Menschen wollen Erfolg über Nacht. Und sie glauben auch, dass es genauso funktioniert. Deswegen sind sie erstens nicht bereit, sich anzustrengen und neiden zweitens anderen Menschen deren Erfolg.

Tatsächlich ist Erfolg aber die Summe seiner Teile. Je härter du arbeitest, desto mehr Chancen bieten sich dir. So einfach ist die Sache mit dem „Glück“. Es gibt unzählige Zitate von erfolgreichen Profisportlern, die genau das widerspiegeln. Arbeite tagtäglich an deinem Erfolg, und „das Glück“ wird sich einstellen. Du musst nicht genial sein und du brauchst kein besonderes Glück. Ausdauer, Fleiß und Disziplin – das ist der Schlüssel.

Nicht der alleinige, natürlich. Du solltest schon die richtigen Dinge tun. Ein Hamsterrad bleibt ein Hamsterrad und in dem kannst du dich mit Ausdauer, Fleiß und Disziplin problemlos totlaufen.. Aber ohne die genannten Kriterien wirst du auch nicht weit kommen, wenn du die richtigen Dinge tust. Und die dreißig Kunden in dreißig Tagen mag es wohl geben – aber eher als Ergebnis einer Fleiß- und Ausdauerperiode – und nicht an deren Anfang.

Oder wie der Schweizer Skirennfahrer Peter Müller so treffend formulierte: „Skirennen werden im Sommer entschieden.“

„Skirennen werden im Sommer entschieden.“
Peter Müller (Schweizer Skirennfahrer)

#6 Besorge dir ganz schnell ein dickes Fell

Ökologische Gestaltung ist für viele Unternehmen und Konsumenten noch Neuland. Ja, es ist schwierig, als ökologischer Gestalter seine Auftragsbücher mit ökologischer Produktgestaltung voll zu kriegen.

Geh also davon aus, dass du bei der Suche nach Kunden (vorausichtlich) am Anfang ziemlich viele Absagen oder gar Niederlagen wirst einstecken müssen. Lerne, das auszuhalten und mach einfach weiter! Und vor allem, nimm Absagen nicht persönlich. Diese Kunden sind einfach noch nicht so weit.

Das soll natürlich nicht heißen, dass Absagen dich nicht dazu bringen sollten, deine Strategie zu überdenken und eventuell anzupassen! Es heißt: mach weiter! Gib nicht auf! Und in der Zwischenzeit finanziere dich über deine üblichen Kunden.

Hast du ein Problem damit, mit Misserfolgen umzugehen? Dann lerne es! Das geht und es hilft auch im restlichen Leben ungemein weiter. Glaub mir. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wovon ich rede… Anregungen dazu findest du zum Beispiel im Buch von Carol Dweck „Selbstbild“.

#7 Lerne ständig Neues!

Ökologische Gestaltung ist ein junges und neues Feld. Sei also bereit, ständig Neues zu lernen – und zwar zu jeder Zeit und von jedem! Damit will ich sagen: Innovative Ideen können manchmal aus Richtungen kommen, von denen du sie am wenigsten erwartest oder die du sogar ablehnst. Bleib also offen und beharre nicht auf Prinzipien.

#8 Hab Geduld

Sich auf dem Markt zu positionieren, dauert immer seine Zeit. In etwas richtig gut zu werden, dauert ebenfalls. Befolge also dauerhaft die Regeln eins bis sieben, und dann – hab Geduld. Der Erfolg wird sich einstellen!

Naja, und nicht ganz unwichtig ist es natürlich, dass du als ökologischer Gestalter Ahnung hast von dem, was du tust. Aber das habe ich jetzt mal voraus gesetzt.

Ich wünsche dir Erfolg und vor allem viel Spaß bei dem, was du tust.

Susanne

Über die Autorin

Sarah Pollinger

Susanne Volz ist die Gründerin und Inhaberin von ecocircleconcept. Sie ist Umwelt­wissen­schaftlerin und Wirtschaftsjuristin und auf der Mission, ökologische Produkte zu einer Selbstverständlichkeit zu machen.

Als Schnittstelle zwischen Gestaltern, Unternehmen und der Umwelt arbeitet sie unermüd­lich daran, unternehmerischen Erfolg, verantwortungsvolles Wirtschaften und nachhaltigen Konsum zusammenzuführen.

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