Umweltcontrolling Teil I

von susanne volz / ecodesign wissen

Warum ist Umweltcontrolling wichtig? Und warum ist es für Ecodesigner wichtig? Kurz und knapp: Du kannst nur steuern und verbessern, was du messen kannst. Kenne deine Zahlen, und du bist auf einem guten Weg zum Ziel. So ist das. Dieser Artikel gibt dir eine kleine Einführung in das Umweltcontrolling, dessen Ziele, Vorteile und vor allem: den Nutzen. Mit solchem Wissen zeichnest du dich als kompetenter Ecodesigner aus und begegnest deinen Kunden auf Augenhöhe.

Du kannst nur steuern und verbessern, was du messen kannst.

KPI Entwicklung für ökologische Produkte

Beim ökologischen Produktdesign geht es um die Gestaltung hervorragender Produkte. Sie sollen einen bestmöglichen Nutzen erfüllen und dabei der Umwelt so wenig wie möglich, am besten gar nicht, zur Last fallen.

Das kann keiner alleine erreichen. Dafür müssen sich viele Berufsgruppen, unter anderem Designer, Ingenieure und Betriebswirtschaftler an einen Tisch setzen. Alle müssen sich am Gestaltungsprozess beteiligen. Denn Optik, Funktion und Geschäftsmodelle müssen zusammenpassen.

Wenn du Gestalter bist, wirst du mit dieser Artikelreihe über Umweltcontrolling vielleicht ein etwas besseres Verständnis dafür bekommen, warum Indikatoren so relevant sind und wie du als Gestalter in solchen Projektgruppen beim Zahlenjonglieren mitreden kannst. Und wenn du diesen Text aus der Sicht von Unternehmen liest, bekommst du vielleicht eine Idee, warum Umweltcontrolling als Steuerungsinstrument interessant sein könnte und wie du es umsetzen kannst (als Anregung natürlich nur. Für alles andere fehlt in einer solchen Artikelreihe die fachliche Tiefe).

Wozu Controlling?

Seien wir ehrlich: ökologische Produkte sind keine Selbstläufer. Das bedeutet, Produkte werden nicht deswegen gekauft, weil sie ökologisch sind. Zunächst müssen die Qualität, die Nutzenerfüllung, der Preis und der Service stimmen. Ist das Produkt dann außerdem ökologisch, kann es vom Kunden ggf. gegenüber einem konventionellen Produkt bevorzugt werden.

Mit dem Umweltcontrolling – wie mit dem Controlling jeglicher anderer Parameter auch – kannst du verschiedene Ziele anstreben. Welche das sein können, dazu unten mehr. Damit eine Chance besteht, die Ziele auch zu erreichen, ist das Umweltcontrolling – wie jedes an-dere Controlling auch – eine individuelle Angelegenheit. Denn die Zahlen, die du misst müssen zu den Zielen passen und deswegen auf das jeweilige Unternehmen, Produkt oder Ziel abgestimmt sein.

Wenn du schon weißt, was Controlling ist und wofür es dient, kannst du die nächsten paar Absätze überspringen. Falls nicht, dann habe ich hier Sinn und Zweck von Controlling kurz für dich zusammengefasst.

Ein Beispiel aus dem Leben: wenn ich durch Sport Muskeln aufbauen will, ermittle ich andere Parameter und messe ich andere Dinge, als wenn ich durch Sport abnehmen möchte. Meine individuellen KPI (Key Performance Indicators) sind jeweils andere. Ist ja logisch, oder?

Was ist Controlling?

Controlling ist die Übersetzung deines Unternehmens, deiner Tätigkeit oder deiner Ziele in Zahlen. Der Einsatz von Controlling im Unternehmen dient dazu, Ziele messbar und dadurch erreichbar zu machen.

Warum? Weil du durch messbare Zahlen informieren (dich und andere), planen (die erforderlichen Maßnahmen zur Zielerreichung), kontrollieren (den Stand bzw. Abweichungen der Zielerreichung) und koordinieren (die Ressourcen und Maßnahmen) kannst. Durch Controlling wird ein Ist-Soll-Vergleich möglich.

Um dich ständig zu verbessern und deinen Zielen näher zu kommen, möchtest du verschiedene Ebenen in Zahlen fassen, nämlich die Potenziale des Unternehmens (der Tätigkeit), der Prozesse und der Ergebnisse. Es gibt sehr viele verschiedene Controllingsysteme. Manche sind für die Steuerung bestimmter Einzelaufgaben geeignet, manche machen eine ganzheitliche Steuerung möglich.

Manche Controllingsysteme sind beliebt, andere werden einhellig als untauglich befunden. Manche Systeme sind in der Theorie ganz großartig und versagen dann aber in der Praxis kläglich. Das interessiert uns hier aber alles nicht so. Wir wollen ja nicht das Controlling neu erfinden sonder ich will dir eine Idee geben, was es mit Umweltcontrolling auf sich hat.

Ziel des Umweltcontrolling

Wir haben gelernt, dass ökologische Produktgestaltung nur funktioniert, wenn wir den ge-samten Lebenszyklus eines Produktes berücksichtigen. Das heißt, wir müssen die gesamte Wertschöpfungskette ökologisch optimieren. Und um etwas optimieren zu können müssen wir es – controllen.

Bevor wir aber Kennzahlen entwickeln können, müssen wir wissen, was wir damit konkret erreichen wollen. Wir wollen Ressourcen sparen, das ist klar. Dass will jedes Unternehmen, denn Ressourcen kosten Geld. Also brauchen wir Kennzahlen, anhand derer wir den Ressourcenverbrauch steuern und Verbräuche reduzieren können. Das geht natürlich nicht nur über „Umweltkennzahlen“ (was das ist, sehen wir auch später), sondern z.B. auch über Finanzkennzahlen. Die werden bisher auch oft dafür verwendet.

Wir wollen natürlich auch die Anwendung von Umweltrechtsvorschriften sicherstellen. Die sind so umfangreich, dass sich ein eigenständiges Controlling dafür durchaus lohnt. Kleiner Hinweis: Je weniger Schadstoffe eingesetzt werden, desto weniger musst du controllen, um auf der sicheren Seite zu sein. Es kann aber auch sein, dass es das Ziel von Umweltcontrolling ist, Zertifizierungen für das Unternehmen oder bestimmte Produkte zu bekommen, Berichtspflichten nachzukommen oder Zahlen für ein Kommunikationskonzept zu sammeln.

Es ist also wichtig, sich vorher zu überlegen, was mit dem Controlling erreicht werden soll. Es wäre ja blöd, wenn du zum Beispiel Emissionswerte für die Laufzeit deiner Anlage je Stunde vorliegen hast, wenn du den Wert aber pro beschichtetem Quadratmeter Oberfläche brauchst. Oder wenn du den Wert pro beschichtetem Quadratmeter Oberfläche kennst, ihn aber pro Produkt oder Produktbestandteil wissen musst. Deswegen: immer vorher das Ziel klären!

Was nützt das Umweltcontrolling – und wem?

Umweltcontrolling soll natürlich dazu führen, dass unsere Gesellschaft langfristig umwelt-freundlich und nachhaltig konsumiert und lebt. Das ist aber ein absolut übergeordnetes und ziemlich unpräzises Ziel, weshalb ich das jetzt mal nicht mit aufführe.

Deswegen kann man wohl sagen, das Umweltcontrolling nutzt vor allem Unternehmen. Und zwar denen, die es gezielt und gekonnt für die Erreichung ihrer ökologischen Ziele einsetzen.

Als Minimalziel ist ein gutes Umweltcontrolling ein vorsorgendes Risikomanagement. Du vermeidest Kosten für umweltschutzbezogenen Produktionsausfall, Nachrüstungen, Scha-densbeseitigung oder Strafzahlungen. Das sind die Basics. Auf die möchte ich hier nicht hinaus. Umweltcontrolling hilft Unternehmen dabei, sich langfristig eine vorteilhafte Stellung im Wettbewerb zu sichern.

Vor allem kleinere Unternehmen müssen proaktiver agieren, als große. Denn sie müssen von Anfang an gut investieren und sich ihre Position sichern. Alle Kosten, die nachträglich anfallen und hätten vermieden werden können, sind schädlich für den Unternehmenserfolg.

Staat und Gesellschaft erwarten von Unternehmen, dass sie Verantwortung für die von ihnen hergestellten Produkte und Dienstleistungen übernehmen.

Gleichzeitig nimmt die Transparenz immer weiter zu. Konsumenten informieren sich und lassen sich absolut nicht verschaukeln. Ein gutes Umweltcontrolling hilft dabei, ehrlich gesetzte Ziele auch konsistent und nachvollziehbar zu verfolgen – innen wie außen. Es ist ok, wenn ein Unternehmen nicht alles gleichzeitig leisten kann.

Niemand kann ein Unternehmen von heute auf morgen „auf ökologisch“ umbauen. Das wissen die Kunden und sie erwarten es auch nicht. Aber die Wandlung muss transparent sein, die Maßnahmen glaubhaft. Es ist besser zu sagen „wir haben ein Ziel, aber wir haben es erst zu 30% umgesetzt. Wir arbeiten dran und wir tun dafür folgendes: …“ als zu behaupten, man sei 100% Öko. Selbst wenn schon 80% des Ziels erreicht sind, die Kunden zerfetzen dich in der Luft für die fehlenden 20%, wenn sie das rauskriegen!

Und wenn ein Unternehmen gar keine ökologische Verantwortung übernimmt, wollen die Kunden bald auch nichts mehr davon wissen.

Was sind die konkreten Vorteile für Unternehmen?

Was hat ein Unternehmen konkret davon, wenn es ein sorgfältiges Umweltcontrolling einführt?

#1

Interne und externe Kostensenkung beim Ressourceneinsatz
Je besser Ressourceneffizienz – vom Standpunkt der ökologischen Nachhaltigkeit, nicht der finanziellen – umgesetzt wird, desto eher und höher sind die Effekte bei der Kostensenkung.

#2

Bedienung der Nachfrage nach ökologischen Produkten

Die ökologische Nachfrage scheint noch nicht so der treibende Faktor zu sein. Trotzdem darf sie nicht unterschätzt werden. Der ökologische Problemdruck ist enorm – von allen Seiten. Direkt und indirekt wird ökologische Nachhaltigkeit zum Qualitätsfaktor für Produkte und Materialien – und Qualität gehört vor allem B2B immer noch zu einem der wichtigsten Ent-scheidungskriterien.

#3

Sichern der Marktposition

Es ist wie bei dem Rennen von Hase und Igel. Die ökologischen Anforderungen steigen un-aufhaltsam. Wer zu spät anfängt, seine Wertschöpfung darauf auszurichten, wird abgehängt. Ende der Geschichte. Wer am zukünftigen Markt mitspielen will, muss sich jetzt in Position bringen.

#4

Fördermittel für ökologische Innovationen

No figures, no money. Klare Sache. Wer Fördermittel will, muss Zahlen vorlegen können.

#5

Kommunikation

Die Kunden wollen informiert sein. Mit manchen Indikatoren kann man gutes Storytelling betreiben, mit anderen nicht. Zusätzlich werden die Berichtspflichten immer umfangreicher. Mit einem guten Umweltcontrolling haben Unternehmen zu gegebener Zeit die notwendi-gen Daten gleich zur Hand. Das spart Zeit und Kosten. Und Nerven!

#6

Gestaltung politischer Rahmenbedingungen

Wer seine Zahlen kennt, kann bei anstehenden umweltpolitischen Entscheidungen ganz gelassen bleiben. Denn er wird gut im Rennen liegen. Im besten Fall entscheidest du als Unternehmen bei entsprechenden Initiativen und in den Gremien und Arbeitsgruppen sogar mit und bist „Pacemaker“.

Fazit

Ohne Controlling kommen wir dem Ziel auf dem Markt erfolgreicher ökologischer Produkte nicht wirklich näher. Nur wer seine Zahlen kennt, kann seine Ziele erreichen. So sieht es einfach aus. Umweltkennzahlen gibt es aber nicht von der Stange. Sie müssen bezogen auf das jeweilige Ziel ganz individuell festgelegt werden.

Mit diesem Artikel habe ich dir ein wenig über die Grundlagen des warum und wozu von Umweltcontrolling berichtet. Im nächsten Artikeln schreibe ich über relevante KPI (Key Performance Indicators) für ökologische Produkte.

Susanne

Über die Autorin

Sarah Pollinger

Susanne Volz ist die Gründerin und Inhaberin von ecocircleconcept. Sie ist Umwelt­wissen­schaftlerin und Wirtschaftsjuristin und auf der Mission, ökologische Produkte zu einer Selbstverständlichkeit zu machen.

Als Schnittstelle zwischen Gestaltern, Unternehmen und der Umwelt arbeitet sie unermüd­lich daran, unternehmerischen Erfolg, verantwortungsvolles Wirtschaften und nachhaltigen Konsum zusammenzuführen.

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