Wichtige Prinzipien des Ökodesign

von susanne volz / ecodesign wissen

Die „normalen“ Fälle zu den Ökodesign-Prinzipien kennst du vermutlich oder kannst sie dir denken. Langlebigkeit, Kreislauffähigkeit, Reparierbarkeit… Aber nicht alle Prinzipien gelten immer. In manchen Fällen sind sie hierarchisch zu betrachten, in anderen Fällen bedingen oder ergänzen sie sich und manchmal schließen sich gegenseitig ein oder aus. In diesem Artikel geht es daher nicht um die „normalen“ Fälle, sondern um den fortgeschrittenen Level der ökologischen Gestaltung - die Ausnahmen und Besonderheiten.

Ökodesign-Prinzipien sind gute und hochwertige Zutaten der ökologischen Gestaltung. Aber genau wie gute Zutaten beim Kochen sollte man sie nicht alle auf einmal einsetzen, sondern nur die, die gerade passen. Und in der Menge, die jeweils richtig ist.

Welche Prinzipien sind also (unter anderem) wichtig, wenn du Produkte ökologisch gestalten möchtest? Es sind folgende:

  • … Langlebigkeit
  • … Materialeffizienz
  • … Kreislauffähigkeit
  • … Reparierbarkeit
  • … Energieeffizienz
  • … Problemstoffarmut und
  • … Verwendung ökologischer Materialien

Die Prinzipien sind multidimensional zu sehen. Es gibt keinen Anfangs- oder Endpunkt. In manchen Fällen sind sie hierarchisch zu betrachten, in anderen Fällen bedingen oder ergänzen sie sich und manchmal schließen sich gegenseitig ein oder aus.

Ecodesign-Prinzipien sind immer multidimensional zu sehen.

Beispiele für Ausnahmen von den Prinzipien

Die „normalen“ Fälle zu den Prinzipien kennst du alle oder kannst sie dir denken. Deswegen schenke ich dir hier ein paar der Ausnahmen und Kuriositäten:

Die Kreislauffähigkeit ist oft ein Bestandteil der Langlebigkeit (oder auch umgekehrt). Das kann das Produkt selbst betreffen, zum Beispiel in Form der direkten Wiederaufbereitung und Weiterverwendung von Maschinen bzw. Maschinenteilen, Möbeln oder Kleidung.

Wenn das Material kreislauffähig ist, schaffen wir dadurch eine Form der Langlebigkeit, auch bei kurzlebigen Produkten. Glasverpackungen sind so ein Beispiel. Die gehören mit knapp 90% Recyclingquote zu den „langlebigsten“ Verpackungen überhaupt.

Kann Langlebigkeit auch nachteilig sein? Klar kann sie. Das beste Beispiel schwimmt in den Meeren rum (nein, ich meine nicht 400 Jahre alte Haie). Was im Recyclingkreislauf von Vorteil ist, wird sofort zum Nachteil, wenn „das System“ nicht funktioniert.

Ein anderes Beispiel sind langlebige Energiefressgeräte. Kühlschränke. Waschmaschinen. Gefriertruhen. Teilweise auch Staubsauger. Hier ist es sehr spannend auszurechnen, wann Langlebigkeit zum Problem wird. Und vor allem, unter welchem Gesichtspunkt. Die Antwort ist nämlich jeweils eine andere, ob wir nach Treibhausemissionen (Kategorie Klimawandel) oder nach Ressourceneffizienz (Kategorie Ressourcenknappheit) fragen!

Dass weniger Material besser ist, leuchtet sofort ein. Abgesehen davon, dass diese Aussage leider so nicht stimmt.

Denn mit „Materialeffizienz“ ist nicht (nur) gemeint, weniger Material zu verwenden und z.B. Abfälle zu minimieren. Es geht um im Grundsatz eigentlich um Ressourceneffizienz. Und die kann durchaus durch den Einsatz von mehr Material zustande kommen. Um zum Beispiel Reparierbarkeit zu ermöglichen, brauchen wir oft mehr Material als vorher.

Statt zu kleben müssen wir jetzt schrauben oder stecken. Die Produkte werden vielleicht auch öfter transportiert bzw. der Wartungsmonteur kommt zu uns nach Hause (Transport verbraucht auch Ressourcen, das wollen wir nicht vergessen). Bei den meisten Produkten führt Reparierbarkeit trotz eines erhöhten Materialeinsatzes aber dennoch zu einer Ressourcenersparnis. Vielleicht setzen wir auch ein alternatives Material ein, das insgesamt umweltfreundlicher ist, brauchen dafür aber mehr Masse.

Wo bleibt da das Prinzip der Materialeffizienz? „Weniger Material ist besser“ ist dann wahr, wenn wir ergänzen: weniger vom Gleichen.

Merke also: Materialeffizienz meint eigentlich Ressourceneffizienz.

Und dann gibt es noch die ökologischen Materialien. Was sind eigentlich ökologische Materialien? Ist Biokunststoff, der im Meer landet ökologischer als konventioneller Kunststoff, der sich endlos recyceln lässt? Ist Holz ein ökologisches Material, wenn es gar nicht so schnell wachsen kann, wie wir es brauchen, und wenn es kaum einer stofflichen Verwertung zugeführt werden kann? Ist Biogemüse ein ökologisches „Material“, wenn der Ertrag pro Hektar immer geringer ist, als in der konventionellen Landwirtschaft? Ach, weißt du was? Zu diesen Fragen schreibe ich mal einen ganz eigenen Artikel. Antworten findest du übrigens auch in meiner Weiterbildung für ökologische Gestalter ecodesign-to-go.

Zusammengefasst hier viel: ökologische Materialien sind solche, die unter den gegeben Umständen die jeweils geringsten Umweltlasten verursachen. Und damit sind wir wieder beim Lebenszyklusdenken.

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Hierarchien bei Ökodesign-Prinzipien

Kann man nun sagen, dass eines dieser Ecodesign-Prinzipien vor allen anderen steht? Nicht wirklich.

Langlebigkeit ist nicht das oberste Gebot. Eine Bananenschale ist eine sensationelle Verpackung. Nicht deswegen, weil sie langlebig ist. Sondern weil sie genau so lange hält, wie sie soll. Und sich danach quasi selbst entsorgt.

Reparierbarkeit? Oft gut, aber nicht immer. Wir leben im Zeitalter der Technologie. Die entwickelt sich schneller, als wir Steckdose sagen können. Das heißt, sie überholt sich auch genauso schnell. Und weil die Technologie in Wahrheit noch in den Kinderschuhen steckt, ist Reparierbarkeit z.B. in Form von Updatebarkeit der Software gut und wünschenswert. Reicht aber ab irgendwann nicht mehr aus, um mit der Entwicklung Schritt zu halten.

Reparierbarkeit ist wichtig, aber Kreislaufführung ist hier die schwerwiegendere Alternative.

Und wo wir von Kreislauffähigkeit sprechen: die könnte in vielen Fällen tatsächlich eines der übergeordneten Prinzipien sein. Hier müssen wir technologisch unbedingt aufholen. Vieles von dem, was wir verwenden, könnte „man“ aber können wir noch nicht recycelt. Aber – und das ist ein Hauptproblem – unsere Geschäftsmodelle, Entsorgungssysteme und gesellschaftlichen Gewohnheiten passen noch nicht dazu. Deswegen ist das Recycling an dieser Stelle ökonomisch total abwegig. Hier brauchen wir hoheitliche Unterstützung. Und deswegen ist cradle to cradle zwar mächtig sexy, das KrWG aber der heimliche Held der Geschichte. Aber auch dazu später mehr.

Ökologie und Gerechtigkeit gehören zusammen

An eines möchte ich abschließend noch erinnern: ich schreibe in diesem Artikel und auch sonst meistens nur über ökologische Aspekte der Produktgestaltung. Soziale Aspekte sind mir aber genauso wichtig. Da die jedoch nicht mein Kernthema sind und ich mich dazu des-wegen nicht fachlich äußern möchte, schreibe ich dazu selten etwas. Das heißt aber nicht, dass ich die sozialen Aspekte gering schätze und meine, ökologische Aspekte bei der zukunftsfähigen Produktgestaltung wären immer die wichtigsten. Das Gegenteil ist der Fall! Zukunftsfähige Produkte müssen vor allem gerecht sein – im weitesten Wortsinne.

Fazit

Im Einzelfall können wir nicht immer allen ökologischen und sozialen Anforderungen gerecht werden. Manchmal einfach, weil sie sich ausschließen. Aber wir können zumindest eine Näherung versuchen.

Susanne

Über die Autorin

Susanne Volz

Susanne Volz ist die Gründerin und Inhaberin von ecocircleconcept. Sie ist Umwelt­wissen­schaftlerin und Wirtschaftsjuristin und auf der Mission, ökologische Produkte zu einer Selbstverständlichkeit zu machen.

Als Schnittstelle zwischen Gestaltern, Unternehmen und der Umwelt arbeitet sie unermüd­lich daran, unternehmerischen Erfolg, verantwortungsvolles Wirtschaften und nachhaltigen Konsum zusammenzuführen.

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