Wir brauchen mehr kompetente Ecodesigner!

von susanne volz / ecodesign at work

Manches läuft falsch im Ecodesign. In der Branche kursieren hartnäckig Halbwahrheiten und falsche Annahmen. Verlassen wir uns auf diese, machen wir alles nur noch schlimmer. Nur weil Karotten gesund sind, käme doch keiner auf die Idee, nur noch Karotten zu essen! Wieso aber handeln wir im Ecodesign nach solchen Prinzipien? Für das Beharren auf wackligen Überzeugungen haben wir aber keine Zeit mehr. Wir brauchen mehr Ecodesign-Profis!

Ein Ecodesigner ist ein Gestalter, der werterhaltende und ressourcenschonende Produkte, Konzepte und Geschäftsmodelle entwickelt. Angesichts knapper Ressourcen und eines nicht zu diesen Umständen passenden linearen Wirtschaftssystems ist das eine ziemlich große Herausforderung. Diese neue Generation Designer braucht neben ihren hervorragenden Designfähigkeiten solides Hintergrundwissen in ökologischen, wirtschaftlichen und unternehmerischen Zusammenhängen.

Der Ressourcenverbrauch der Weltgemeinschaft liegt aktuell pro Jahr bei rund 85 Milliarden Tonnen. Das entspricht einem Verbrauch, für dessen Bereitstellung wir 2,5 Planeten bräuchten, wenn heute schon alle über 7 Mrd. Menschen so leben wollten, wie die globale Mittelschicht.

Aktuell werden etwa 2,5 Mrd. Menschen zur ressourcenverbrauchenden globalen Mittelschicht gerechnet. In den nächsten 15 Jahren wird von einem Anstieg auf ca. das Doppelte ausgegangen. Dadurch würde sich auch unser Ressourcenbedarf verdoppeln. Und das ist natürlich unmöglich. Unser Ressourcenverbrauch muss sich daher ganz entscheidend verringern.

Die Gestaltung nachhaltiger Produkte erschöpft sich allerdings keineswegs darin, Produkte zu denken wie bisher, sie nur eben aus nachwachsenden Rohstoffen herzustellen. Oder sie durch Bioabbaubarkeit im Kreislauf zu führen. Das sind wichtige Einzelmaßnahmen, die aber jeweils zu einem gut durchdachten Gesamtkonzept passen müssen. Falsch eingesetzt, schaden uns diese Maßnahmen sogar erheblich.

Falsch eingesetzt, schadet das Beharren auf den Einsatz nachwachsender Rohstoffe oder biologische Kreisläufe einer nachhaltigen Wirtschaft massiv.

Produkte sind Bestandteil komplexer Systeme – alles hängt mit allem zusammen und die Wirkungszusammenhänge sind oft nicht auf den ersten Blick erkennbar. Zum Beispiel setzen inzwischen viele Branchen auf den Einsatz nachwachsender Rohstoffe. Die für alle diese Ansprüche benötigte Fläche steht uns jedoch nicht zur Verfügung. Und erst Recht nicht auf ökologisch nachhaltige Weise. Auch die Bioabbaubarkeit von Produkten verhindert zwar am Produktlebensende schadhafte Einträge in die Umwelt – löst aber weder unser Problem gigantischer Abfallmengen noch die Ressourcenfrage.

Es kommt daher darauf an, bei der Produktentwicklung die ökologischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen im gesamten Lebensweg zu berücksichtigen.

Ecodesigner der neuen Generation können das. Sie wissen um die Zusammenhänge und haben ausreichend ökologisches, wirtschaftliches und unternehmerisches Hintergrundwissen, um die richtigen Fragen an das zu konzipierende Produktsystem zu stellen. Das ist eine Grund-kompetenz, um nachhaltige Produkte zu entwickeln. Denn es gilt: wer die gezieltesten Fragen stellt, erhält die präzisesten – und damit hilfreichsten – Antworten.

Mit dieser Kompetenz sind Ecodesigner wertvolle Partner für Unternehmen, die wirkungsvolle und zukunftsfähige Produktkonzepte entwickeln.

Über die Autorin

Sarah Pollinger

Susanne Volz ist die Gründerin und Inhaberin von ecocircleconcept. Sie ist Umwelt­wissen­schaftlerin und Wirtschaftsjuristin und auf der Mission, ökologische Produkte zu einer Selbstverständlichkeit zu machen.

Als Schnittstelle zwischen Gestaltern, Unternehmen und der Umwelt arbeitet sie unermüd­lich daran, unternehmerischen Erfolg, verantwortungsvolles Wirtschaften und nachhaltigen Konsum zusammenzuführen.

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